Palliativmedizin lindert körperlichen und seelischen Schmerz
Engelburg. Im Seniorentreff zeigte der ärztliche Leiter der Palliativstation des Kantonsspitals St. Gallen Wesen, Ziel, Aufgabe und Notwendigkeit der Palliativmedizin eindrücklich auf. Arzt und Pflegende sind zuerst einmal verpflichtet, kurativ tätig zu sein, den Patienten zu kurieren, das heisst, wie Dr. Eychmüller sich ausdrückte, „die Krankheit aus dem Körper hinauswerfen». Sie stossen dabei an Grenzen, Heilung ist nicht immer möglich. Darf man in einem solchen Fall den Patienten ohne entsprechende ärztliche Betreuung und Pflege einfach sterben lassen?

Schmerzen lindern
Auch in einer solch unheilbaren Situation ist die Medizin gefordert. Sie muss dann palliativ wirken. Palliativ kommt vom Lateinischen und bedeutet: die Schmerzen und Beschwerden einer Krankheit lindern, ohne aber deren Ursachen zu bekämpfen. Anstelle von Apparaten und Medikamenten erhalten Gespräche, einfühlsame Anteilnahme beim Kranken einen ganz anderen Stellenwert. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde man sich immer mehr der Bedeutung der Palliativmedizin und -pflege bewusst. Sie heilt die Krankheit nicht, aber sie vermag die körperlichen Beschwerden und die seelischen Leiden zu lindern. Eine grosse Wohltat für Patienten mit fortgeschrittenen, unheilbaren Krankheiten. Das sind insbesondere Krebskranke, aber auch Demenzkranke mit starken Gedächtnisstörungen und Hirnleistungsschwächen.

 

„Menschenwürdig leben“

Die moderne Palliativmedizin und -pflege (Palliative Care) habe zuerst im angelsächsischen Raum Fuss gefasst und sei vor allem in Kanada und Australien stark ausgebaut, sagte Eychmüller. Der Notwendigkeit einer gut ausgebauten Palliativmedizin und -pflege sei man sich in der Schweiz erst recht spät bewusst geworden. Das Ziel der Palliativmedizin und -pflege formulierte Steffen Eychmüller so: „Menschenwürdig leben bis zuletzt, möglichst ohne grosse physische Schmerzen und seelische Leiden, betreut von verständnisvollen Menschen in vertrauterUmgebung.“ Deshalb soll der Aufenthalt auf der Palliativstation im Spital nicht zu lange dauern. Wenn immer möglich, sollte durch fachmännische Unterstützung die umfassende Betreuung der Patienten zuhause erfolgen können.

Eine Teamleistung
Anhand eines konkreten Falles wies Steffen Eychmüller beeindruckend darauf hin, dass die Palliativmedizin und - pflege die Leistung eines Teams von Ärzten, Pflegenden, Sozialarbeitern, Psychologen, Psychotherapeuten und Seelsorgern ist, in das auch die Angehörigen und andere Nahestehende miteinbezogen sind. So bilde sich ein soziales Netz, in welchem sich der Patient im Kreise verständnisvoller Menschen aufgehoben und geborgen fühle. Eine Seniorin ging am Schluss des Vortrags spontan auf den Referenten zu, um ihm für die gute Betreuung des verstorbenen Gatten an der Palliativstation des Kantonsspitals St. Gallen zu danken. MaxLehner

25.04.2005, St. Galler Tagblatt

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