Palliative Care soll kantonsweit flächendeckend angeboten werden
ST. Gallen. Im Kanton St. Gallen ist die Bedeutung eines palliativmedizinischen Angebots schon früh erkannt worden: Seit 14 Jahren gibt es eine Palliativstation am Kantonsspital, seit 2002 einen palliativen Brückendienst. Nun wird das Angebot flächendeckend ausgebaut.
Der Kanton lanciert zusammen mit den drei St. Galler Landspital-Regionen, dem Palliativnetz Ostschweiz und dem Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer (SBK) eine Kurs-Offensive, um das palliative Fachwissen unter den Pflegefachleuten zu verbreiten.
Grund- und Fachkurse
Koordiniert wird die Offensive im Gesundheitsdepartement von Roswitha Koch, Leiterin der Fachstelle für Pflege und Entwicklung. Das Angebot zur Aus- und Weiterbildung hat zwei Schienen: In einem 23-tägigen Fachkurs werden „Multiplikatoren und Schlüsselpersonen „ aus verschiedenen Regionen und Fachgebieten mit dem spezifischen Fachwissen vertraut gemacht. Dieser Kurs läuft bereits seit vergangenem Spätherbst. Ein erster sechstägiger Grundkurs in Palliative Care hat diese Woche im Regionalspital Linth mit dreissig Teilnehmenden begonnen. Weitere Kurse sind in diesem Jahr in Grabs für die Spitalversorgungsregion Rheintal, Werdenberg, Sarganserland sowie in Wattwil für die Region Fürs-tenland-Toggenburg geplant. Das Interesse des Gesundheitspersonals ist gross, wie Roswitha Koch und Katharina Linsi, Präsidentin des Berufsverbandes, übereinstimmend feststellen. Der erste Grundkurs war denn auch rasch ausgebucht, und auch für die geplanten Kurse dieses Jahres sind die Anmeldungen sehr zahlreich. Alle Kurse werden vom Kanton auch finanziell unterstützt, sodass die Teilnehmenden nur mehr einen bescheidenen Obulus zu entrichten haben, wie Mitorganisatorin Katharina Linsi dankbar vermerkt.
Enge Zusammenarbeit fördern
Die Massnahmen des Kantons, des Verbands SBK und des Palliativnetzes Ostschweiz sollen zur kompetenten Betreuung schwer kranker und sterbender Menschen führen und zudem zur interdisziplinären Zusammenarbeit und Vernetzung beitragen. Es sollen deshalb nicht nur Pflegende durch Weiterbildung höher qualifiziert werden, sondern auch die Ärzteschaft. Cornelia Knipping, Master Palliative Care und Präsidentin des Palliativnetzes Ostschweiz: „Aktuell bieten wir vom Palliativnetz Ostschweiz deshalb Kurse für die Ärztinnen und Ärzte an. „ Die Federführung dafür liegt beim Leiter der Palliativstation am Kantonsspital St. Gallen, Oberarzt Steffen Eychmüller.
Wichtigkeit früh erkannt
Der Kanton St. Gallen hatte die Wichtigkeit eines palliativmedizinischen Angebots schon früh erkannt. Vor 14 Jahren richtete das Kantonsspital eine Palliativstation ein. Seit dem 1. Januar 2002 besteht ein palliativer Brückendienst, der vor allem in St. Gallen und Umgebung Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen zur Verfügung steht. Er wird vollumfänglich von der Krebsliga St. Gallen-Appenzell getragen und arbeitet eng mit der Palliativstation am Kantonsspital, den Ärzteorganisationen, der Spitex und Privaten zusammen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in St. Gallen im Umfeld des Zentrumsspitals in der Regel eine hochwertige palliative Versorgung angeboten werden kann. Dazu trägt namentlich das Bürgerspital St. Gallen mit seinem Kompetenzzentrum für Altersmedizin und Alterspflege bei, das sich 2002 für einen Schwerpunkt „Palliative Betreuung „ entschied. Unter anderem veranstaltet das Spital gemeinsame interne Weiterbildungen für Ärzte, Pflegende, Therapeutinnen und Therapeuten.
Wissensdurst
Eine Situationsanalyse ergab unter anderem, dass ausserordentlich viele Pflegende ihr Wissen im Bereich Palliative Care erweitern wollen. Die Spitalregion St. Gallen-Rorschach bietet darum seit längerem ein neuntägiges Modul in palliativer Pflege an. Zudem besteht seit 2004 in St. Gallen an der European School of Oncology (ESO-D) ein Fortgeschrittenenkurs für erfahrene Pflegefachpersonen.
Palliative Care
„Nicht dem Leben mehr Tage hinzufügen, sondern den Tagen mehr Leben.„ So formulierte Cicely Saunders, eine der Pionierinnen der palliativen Betreuung, die Ziele und den Sinn von Palliation. Palliative Betreuung, international als „palliative care „ bezeichnet, definiert die Weltgesundheitsorganisation WHO als „Lindern eines weit fortgeschrittenen, unheilbaren Leidens mit begrenzter Lebenserwartung durch ein multiprofessionelles Team mit dem Ziel einer hohen Lebensqualität für Patienten und ihre Angehörigen und möglichst am Ort der Wahl der Patienten „. Diese Pflege geschieht unabhängig davon, wie alt die Betroffenen sind und an welcher Krankheit sie leiden. Palliative Medizin und Betreuung umfasst also medizinische Behandlung, körperliche Pflege, aber auch psychologische, soziale und seelsorgerische Unterstützung. Text: Markus Löliger
12.02.2005, St.Galler Tagblatt
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