Leserbriefe
Ein Tag in unserer Palliativen Beratung:
Am Dienstag, 09.04.05, um 09.00 Uhr klingelt das Telefon. "Thurgauische Krebsliga Palliative Beratung. Was können wir für Sie tun?" Frau A. schluchzt. "Ich werde in den nächsten Monaten sterben, und ich habe zwei Wünsche. Der eine wird nicht mehr in Erfüllung gehen, für den zweiten brauche ich ihre Hilfe." Während des Telefongesprächs wird mir schnell klar, dass Frau A. an einer schweren Krebserkrankung leidet und in einer palliativen Chemotherapiebehandlung steht. Frau A. wünscht sich, zu Hause zu sterben. Sie hat es mit ihrer Familie besprochen, hat aber Angst, dass die Belastung zu gross wird. Begleitet wird alles von der Angst, dass Symptome wie Schmerzen und Atembeschwerden wieder zu erneuten Spitaleintritten führen würden. Es folgen Einzelberatungen mit Frau A., aber auch Gespräche mit der Familie, Hausarzt und Spitex. Die Koordination zwischen den einzelnen Stellen wie Spitex, Hausarzt evtl. auch Seelsorger ist sehr wichtig. Durch diese Gespräche lernt Frau A. die belastenden Symptome wie Schmerzen auszudrücken und mit den verschiedenen Medikamenten umzugehen. Hilfe anzunehmen, aber auch ihrer Familie die Erlaubnis zu geben, sich zu erholen und fremde Helfer wie z.B. Nachbarn, Spitex etc. einzubeziehen. Für den ersten Wunsch, ihre Enkel zu erleben, ist die Zeit zu kurz, obwohl Frau A. erst 47 Jahre alt ist. Ihr zweiter Wunsch geht in Erfüllung, sie kann zu Hause sterben. Würden Sie sich nicht auch wünschen, zu Hause in der gewohnten Umgebung, mit den Menschen, die Ihnen nahe sind, zu sterben? Palliative Care ist ein wichtiger Auftrag in meiner Arbeit bei der Thurgauischen Krebsliga. Er erfordert eine spezielle Ausbildung und ein hohes Mass an Sozialkompetenz. Die Familiensituation hat sich in den letzten 30-50 Jahren verändert, Grossfamilien sind eine Seltenheit. Oft arbeiten beide Elternteile, und die Grösse der Familien bewegt sich zwischen 3-4 Personen. Vielen Familien fehlt die Zeit und die Kraft, kranke Menschen zu Hause zu betreuen. Es ist nötig, die Koordination eines Netzwerks bereitzustellen. Die Kliniken und Krankenhäuser können ihre Klienten nur eine bestimmte Zeit hospitalisieren, da es sonst den finanziellen schon sehr angespannten Rahmen sprengt. Die Pflegeheime haben keinen Platz oder sind für junge Menschen nicht der geeignete Ort. Dies alles zeigt auf, dass es noch viel zu tun gibt, obwohl in unserem Leben nichts sicherer ist als der Tod. Thurgauische Krebsliga
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